Es geht um die Künstler

Behauptung: Bei der Urheberrechtsreform geht es darum, dass Künstler einen fairen Anteil von dem bekommen, was mit diesem verdient wird.

Zum Beispiel geäußert von Helga Trüpel, Mitglied des Europäischen Parlaments, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

„Helga Trüpel: Ich unterstütze die Reform, weil ich will, dass Kulturschaffende angemessen für ihre Arbeit bezahlt werden.“

[Quelle: https://www.sueddeutsche.de/digital/eu-urheberrecht-uploadfilter-1.4331296%5D

Antwort: Ok, alle Artikel 13 Befürworter müssen jetzt sehr stark sein:

Das wollen die Gegner des Artikel 13 auch.

Niemand, wirklich niemand, mit dem ich gesprochen habe, der etwas dazu gesagt oder geschrieben hat oder sich in irgendeiner Form gegen Artikel 13 ausgesprochen hat, hat etwas dagegen, dass Künstler ihren fairen Anteil bekommen. Niemand. Nada. Null.

Es wird nicht das OB kritisiert, sondern das WIE.

Wenn es um die kleinen Künstler geht, die um ihren fairen Anteil an den Gewinnen, die mit ihrer Kunst gemacht werden nicht beteiligt werden, warum gehen dann gerade diese kleinen Künstler mit auf die Straße und nehmen an Protesten teil?

Und ich spreche jetzt nicht von den Youtubern, die ihren Lebensunterhalt auf Youtube verdienen. Deren Intention ist klar: Es ist ihre Lebensgrundlage. Ich rede von den Hobby-Musikern, -Fotografen, -Zeichner, etc. die Plattformen nutzen um erst mal die notwendige Bekanntheit zu erlangen.

Warum gehen diese Leute auf die Straße? Weil sie von dieser Reform benachteiligt werden.

Wer ist denn in die Trilog-Verhandlungen gegangen? Unternehmen. Verlage, Label, Rechteverwerter. Große Gesellschaften, die zwar ein durchaus berechtigtes Interesse haben, die aber eben nur sich selbst vertreten.

In einer Diskussion auf Twitter meinte ein User, die GEMA sei so etwas wie eine Gewerkschaft. Nein. Zwar haben GEMA und Gewerkschaften gemein, dass sie sich für die Interessen Ihrer Mitglieder einsetzen, die Gewerkschaft verhandelt darüber hinaus aber Einigungen, von denen alle Arbeitnehmer profitieren, nicht nur ihre Mitglieder. Die GEMA vertritt keine Autoren und keine Fotografen, doch auch diese sind von der Reform betroffen. Die knapp 1,5 Mio. Mitglieder der deutschen Deutschen Fotocommunity z.B. wurden in diesen Verhandlungen nicht vertreten und werden jetzt massiv in Ihrer Möglichkeit zur Veröffentlichung eingeschränkt. Die Seite Model-Kartei.de hat über 38.000 Sedcards für Fotografen, wer hat mit denen gesprochen und für die verhandelt? Die Self-Publishing-Plattform Neobooks hat 25.000 registrierte Autoren, wer hat mit denen verhandelt.

Die GEMA hat 3.700 Mitglieder, „[h]inzu kommen etwa 6.400 Komponisten, Textdichter und Verleger mit stark eingeschränkten Rechten, sowie 59.600 Personen, die zwar einen Berechtigungsvertrag mit der GEMA abgeschlossen haben, aber nicht die berufsständischen Voraussetzungen einer Mitgliedschaft erfüllen (sogenannte angeschlossene „Mitglieder“ ohne vereinsrechtlichen Mitgliedsstatus)“

[Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_musikalische_Auff%C3%BChrungs-_und_mechanische_Vervielf%C3%A4ltigungsrechte]

Dazu kommt, das die GEMA in der Vergangenheit für Ihre Verteilungspraxis und intransparente Abrechnung kritisiert wurde.

Wenn die GEMA also behauptet, sie vertrete Künstler, dann sind das in erster Linie diese 3.700 Vollmitglieder.

Und das es nicht wirklich um die Künstler geht, hat Herr Voss darüber hinaus in eine Interview auf Phönix verkündet:

Zwar geht es hier um das Leistungsschutzrecht aus Artikel 11, aber die Aussage ist klar. Es geht nicht um die Künstler (oder in diesem Fall Journalisten), sondern darum, dass die Verlage, also die Rechteverwerter, ihren fairen Anteil bekommen. Das Problem daran ist, dass Verlage oder Musiklabel o.ä. gern sogenannte Total-Buy-Out Verträge abschließen, in denen der Künstler mit einem einmaligen Honorar ausbezahlt wird, während die Verlage mit dem Werk Geld machen können. Gerade dieser Total-Buy-Out wurde explizit nicht verboten. Ihren Anteil haben die Künstler also schon bekommen. Klar gibt es auch Künstler, die am weiteren Erlös aus ihren Werken beteiligt werden. Dazu muss man aber eine gewisse Bekanntheit erreicht haben. Musiker, die Mitglied bei der Gema sind und die notwendige Größe nicht erreichen, können in die Situation kommen, dass Sie für Ihre eigenen Auftritte mehr bezahlen müssen, als sie an diesem Auftritt verdienen.

Daher ist die Aussage, es ginge um die Künstler, eindeutig widerlegt.

Kleine Anekdote: Die eingangs erwähnte Helga Trüpel, der es ja angeblich darum geht, dass Künstler ihren gerechten Anteil bekommen, hat auf Ihrer Instagramseite stand heute (24.02.19) gut ein dutzend Fotos von „Kunstobjekten“ (ein Gemäldes, Schilder mit Sprüchen, ansprechend designte Plakate), für die Sie mit ziemlicher Sicherheit keine Lizenz vom Urheber eingeholt hat.

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