Hinter den Protesten stecken You-Tube, Google, Facebook und Co.

Behauptung 1: IT-Giganten (namentlich Youtube und Facebook) versuchen Kindern- und Jugendlichen für Ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

 

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Aufgestellt wurde diese Behauptung von Monika Hohlmeier, Mitglied der CSU im europäischen Parlament am 14.02.19.

 

Behauptung 2: Hinter den Protest-Emails standen Bots die von Google programmiert wurden.

 

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Aufgestellt von Sven Schulze, Mitglied der CDU im europäischen Parlament am 15.02.19

 

Antwort: Um das gleich vorweg klar zu sagen: Natürlich haben Youtube und Facebook ein Interesse daran, dass der Artikel in der Form nicht durchkommt, wenn dies bedeutet mehr Geld an Verwertungsgesellschaften zahlen zu müssen. Langfristig, könnte aber zumindest Youtube sogar von Artikel 13 profitieren, da das entwickelte und  verwendete Contend-ID-System marktführend wäre und dementsprechend eine neue Einnahmequelle eröffnet.

Und ja, Youtube hat auch Werbevideos geschaltet in denen Sie auf die Gefahren hinweist, die es in Artikel 13 sieht. Es gab sogar Kontakt zu einem bekannten Youtuber MatPat, der ein Video darüber machte, was Artikel 13 bedeuten kann. Dieses Video habe ich gesehen. [Quelle: https://youtu.be/GbXHrj8k7dg]

Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Das alles ist völlig irrelevant.

Warum wird denn über eine Urheberrechtsreform diskutiert? Weil die Verwerter an die Politiker herangetreten sind und diese verlangt haben. Da Youtube offenbar keinen so großen Einfluss auf Politiker hat wie die Verwerter, hat es das Beste getan, was man machen konnte: Sich direkt an die User gewendet.

Das ist im Endeffekt sogar besser als das, was die Verwerter machen, denn so hat das Thema, das sonst in einem Brüsseler Hinterzimmer verhandelt worden wäre, eine Diskussion in der Öffentlichkeit erzeugt. Das Youtuber daraufhin dieses Thema in Ihre Communities getragen haben ist auch nur konsequent, denn bei denen geht es schließlich auch um ihre Einkommensgrundlage. Wobei die meisten Youtuber, die mir bekannt sind, auch stetig kritisch über Youtube sprechen, von blinder Gefolgschaft kann da keine Rede sein.

Das alles kann noch als Bestätigung für die von Frau Hohlmeier aufgestellte These dienen, wenn man der Fairness halber im gleichen Atemzug auch noch sagt, dass die Verwerter die Politiker beeinflussen.

Aber, und das ist der Witz daran, ich habe das Video von Youtube bis heute nicht gesehen und nach dem Video von MatPat hatte ich genau den Eindruck, den die Artikel 13 Befürworter hatten, dass nämlich Youtube seine Felle davon schwimmen sah und verzweifelt versuchte einem möglichst großen Publikum Angst einzujagen. Das mag aber wohl an der Präsentation in dem Video gelegen haben, denn nachdem ich das Video gesehen und mich mit dem Thema beschäftigt habe, lehne ich Artikel 13 ab. Und ebenso entscheidend, ich bin 37. Also kein Jugendlicher. Und in meiner Ablehnung des Artikel 13 reihe ich mich ein in diese illustre Gruppe aller Digitalexperten aller Bundestagsfraktionen, bekannter Netzaktivisten und Digitalexperten.

Und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, von denen ich gehört habe, die haben sich ebenfalls informiert. Sie haben vielleicht keine 180°-Wende hingelegt wie ich, aber uninformiert sind wohl die wenigsten. Die Jugendlichen werden also weniger instrumentalisiert, als mobilisiert.

Vielleicht, nur vielleicht, sollte man den Widerstand einer so großen Gruppe von Experten nicht ignorieren, selbst wenn nicht alle Jugendlichen alle Information haben. Hieß es nicht, man müsse die Ängste der Bürger ernst nehmen? Ich erinnere da an regelmäßige Proteste in Dresden.

Nun zu der Behauptung, die E-Mails, die bei Herrn Schulze ankamen wären von Bots generiert.

Nun muss man sagen, das für ein Youtube Konto eine E-Mail Adresse benötigt wird. Wer keine hat, kann sich diese direkt über Youtube zulegen. Und welche Überraschung, das sind dann Gmail-Konten, also genau die Art von Konto, die Herr Schulze so Treffsicher als Bot-Adressen identifizierte. /ironieoff

Als zweites Merkmal wurden die teilweise schlechte Grammatik von ihm erwähnt. Aber sollte man nicht bei einem Botnetz erwarten können, dass es einen kurzen Text auf Deutsch fehlerfrei hinbekommt, wenn es um so etwas wichtiges geht? Es ist ja nicht so, dass ein nigerianischer Prinz ihn bittet sein Geld außer Landes zu schaffen.

Das dritte Merkmal war, dass viele E-mails den gleichen Text hatten. Wenn man weiß, dass es auf der Internetseite saveyourinternet.com einen Button gibt, mit dem man eine vorgefertigte Email an einen Abgeordneten schicken kann, und eben diese Seite ab dem 14.Februar verstärkt geteilt wurde, ist auch das erklärbar.

Auch haben 2 Demonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmern gezeigt, dass hinter den E-Mail echte Personen stecken.

Die Behauptungen, dass dies alles von Youtube inszeniert sei und kein echtes Interesse der Gegner dahinter steckt ist schlicht falsch. Ebenso wie die Behauptung, die Gegner der Reform seien uninformiert.

Anekdote: Nachdem von Frau Hohlmeier und Herrn Schulze behautet wurde, die IT-Giganten würden die Jugend mit Falschinformationen beeinflussen, wurden von Twitter Accounts der Union mehrere Tweets abgesetzt, die sich für den Artikel 13 aussprechen. Darunter mehrmals die Falschbehauptung, die User wären durch Artikel 13 nicht mehr haftbar*, sowie der Link zu einem Artikel der FAZ, der so tendenziös und schlicht wahrheitswidrig geschrieben ist, dass man ihn nur als Propaganda bezeichnen kann.

*Dies gilt erst, nachdem die Plattform eine Lizenz erworben hat. Vorher sind beide haftbar.

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