Das Interview mit Matthias Hornschuh

In einem Interview mit dem 3 Sat Magazin Kulturzeit vom  22.Februar 2019 argumentiert der Komponist Matthias Hornschuh für Artikel 13.

Das Interview ist unter dem Titel „Matthias Hornschuh zu Artikel 13“ und der Videobeschreibung

Kulturzeit-Interview mit dem Komponisten: „Die Debatte um Zensur ist bizarr.“ Wir haben mit dem Komponisten Matthias Hornschuh über die EU-Urheberrechtsreform gesprochen.“

Das Video findet sich in der Mediathek.

[Quelle: http://www.3sat.de/mediathek]

Das Video wurde ebenfalls vom Account der CDU-CSU-Fraktion im Europaparlament geteilt.

Zunächst möchte ich festhalten, dass weder in dem Clip, noch in der Beschreibung noch in dem Interview erwähnt wird, dass es sich bei Herrn Hornschuh um ein Aufsichtsratsmitglied der GEMA handelt, eben jener Organisation, die in Deutschland am meisten von der Urheberrechtsreform und Artikel 13 profitieren würde, oder es sich wenigstens erhofft. Herr Hornschuh wird lediglich als Komponist bzw. Filmkomponist bezeichnet.

Man könnte jetzt unterstellen, dass die Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied bewusst verschwiegen wurde um den Eindruck zu erwecken, es würde sich hier um einen dieser kleinen Künstler der Kreativszene handeln, die die Reform angeblich schützen soll. Aber wer würde schon Unaufrichtigkeit unterstellen wollen?

Tatsächlich hat Herr Hornschuh ein beachtliches Resümee und gehört sicher nicht zu den hungernden Künstlern. Ohne die genauen Einkommensverhältnisse zu betrachten, würde ich sogar vermuten, dass Herr Hornschuh zu der Größenkategorie der Künstler gehört, die vom Verteilungsschlüssel der GEMA profitieren, während kleinere Künstler eher draufzahlen.

Aber genug der Vermutungen, kommen wir zum eigentlichen Interview:

Das Transkript ist von mir selber angefertigt, nach meinen besten Möglichkeiten. Fairerweise möchte ich betonen, dass ich nur die Passagen bewerten kann, die 3 Sat gezeigt hat. Ob weitere Aussagen dem Schnitt zum Opfer gefallen sind, weiß ich nicht.

„Es ist ganz klar so, dass man viele der Ängste die im Raum stehen ernst nehmen muss. Angefangen bei der Frage, welche Foren oder welche Seiten sind betroffen über die Frage was wir so zu sagen verhindert werden durch die Reform.“

Ok, guter Start, kein Widerspruch bisher.

„Ich kann aber gleich dazu sagen, dass die Reform oder diese Richtlinie so konstruiert ist, dass sie im Grunde genommen Freiraum schaffen soll, einen rechtssicheren Freiraum schaffen soll.“

Das dies das Ziel der Reform sein soll, glaube ich sogar, das Ergebnis ist nur alles andere, zumindest nach meiner Meinung und der der Gegner, darunter viele Rechts- und IT-Experten.

„Das verstehen nur die meisten nicht, weil Sie sich mit dem Lizenzsystem überhaupt nicht auseinander setzen und das überhaupt nicht kennen. Und das kann man auch nicht verlangen von der breiten Masse.“

Dann erklären Sie es der „breiten Masse“. Und vergessen Sie nicht Albert Einsteins Zitat „Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden.“

Einblendung: „Was ist das positive an Artikel 13?“

„Die Vorstellung die im Raum steht ist folgende, dass nämlich eine Plattform wie YouTube, um die geht es ja ganz konkret, aufgefordert wird, oder gezwungen wird, Lizenzen zu erwerben in einem Umfassenden und pauschalen System. Das heißt, es gibt eine Summe pro Jahr, die bezahlt wird und dafür dürfen die im Bereich Musik zum Beispiel mehr oder weniger alles veröffentlichen, was veröffentlicht werden sollte.“

Also soll YouTube einen bestimmten Betrag bezahlen im Gegenzug, dass jeder auf YouTube urheberrechtlich geschütztes Material verwenden kann, wie er/sie möchte. Sehen, Sie, das war doch gar nicht so schwer zu erklären.

Grundsätzlich ein guter und auch richtiger Ansatz, an einer späteren Stelle zeigt Herr Hornschuh aber an einem Beispiel sehr deutlich den ersten Denkfehler [1], der sich in diese Überlegung eingeschlichen hat. Vor allem finde ich es an dieser Stelle ehrlich zu sagen: „Wir wollen Geld von YouTube.“ Das ist wenigstens nicht so verlogen wie zu sagen, es geht um den Respekt vor der Kunst oder so etwas.

„Und zwar von den Usern oder von Plattenfirmen, egal, und das heißt ganz konkret, das die Uploader, die privaten Uploader, machen können, was Sie bislang auch gemacht haben, aber dann im Bereich der Rechtssicherheit.“

Ich muss gestehen, den Satz verstehe ich nicht. Erstmal, warum sollten Plattenfirmen jetzt etwas hochladen, was sie vorher nicht getan habe? Plattenfirmen konnten auch vorher schon Videos/Musik hochladen und hätten über die Monetarisierung Geld dafür verdienen können und da Sie die Rechteinhaber waren hätten sie auch keinen copyright strike kassiert. Und was soll „im Bereich der Rechtssicherheit“ bedeuten. Ich finde es gut, wenn Youtuber nicht mehr Angst vor copyright claims haben müssen. Aber auch hier steckt ein Denkfehler [2], der erst später deutlich wird.

„Sie können nicht mehr Abgemahnt werden, sie können nicht mehr verklagt werden, es gibt keine Schadenersatzforderungen mehr.“

Wenn es darauf hinausläuft, wäre das auf jeden Fall ein Pluspunkt.

Einblendung: „Warum gibt es Kritik an Artikel 13?“

„Weil die Leute das dem Grunde nach gar nicht verstehen, was das bedeutet, weil den meisten Leuten gar nicht klar ist, was zum Beispiel das System der pauschalen Rundfunklizenzierung für ein Wahnsinns Vorteil und für eine Nachhaltigkeit für den kulturellen Fluss für die kulturelle Vielfalt bedeutet. Und ehrlich gesagt, das ist auch eine Überforderung das jetzt sozusagen 4,7 Millionen Menschen zu erklären, die wollen uns ja auch gar nicht zuhören.“

Was. Für. Eine. Bodenlose. Arroganz.

Erstmal den Gegnern pauschal  zu unterstellen, sie hätten keine Ahnung. Mutiger zug um für mehr Akzeptanz zu werben. Zweitens, ist doch niemand der Gegner gegen das System pauschaler Rundfunklizenzen. In der Tat sind die besten Gegenvorschläge genau darauf aufgebaut. Wogegen sich die Kritik richtet ist, eine ganz andere. Und drittens, und das ist die Krone auf diesem Haufen Dung von einer Aussage, wirft er den Gegnern vor, sie würden nicht zuhören, während er die tatsächliche Kritik oder alternative Vorschläge nicht hören will.

Einblendung: „Warum ist die Reform notwendig?“

„Die Reform ist aus vielen Gründen notwendig. Ich sag mal, warum wir nicht darauf verzichten können, das sie kommt: Wir haben eine Situation, dass wir tatsächlich eine technisch getrieben Veränderung haben unseres kulturellen Umfeldes im digitalen Raum, die so rasant voranschreitet, wie es das in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben hat. Und wir haben im Moment im Recht kaum die Mittel dem zu begegnen. Das liegt daran, dass wir die Resortgrenzen so eng gestrickt haben, das die Probleme, die real auftreten, innerhalb der Resorts gar nicht mehr gegriffen werden können. Und es liegt aber auch daran, dass wir im europäischen Raum uns unter den Nationen verständigen müssen. Das ist ein irrsinnig komplexes Problem. Und wir können nicht darauf verzichten sozusagen die öffentlichen Räume der Gesellschaft zurück zu reklamieren und einer gesellschaftlichen Vorherrschaft, einer gesellschaftlichen Regel, einem Regelwerk zu unterstellen.“

Das lass ich mal so stehen. Nach seiner Aussage vorher ist das hier sogar akzeptabel. Auch wenn es ein bisschen nach Wild West im Internet klingt.

Einblendung „Um was geht es jetzt?“

„Wir fangen mal an mit der Vergütung. Es ist ganz einfach so, dass bislang der wesentliche Teil der Inhalte, die auf YouTube geteilt werden, überhaupt nicht wieder zurückzuführen ist auf diejenigen, die sie gemacht haben. Das heißt, es findet Wertschöpfung statt, aber diejenigen, die die Inhalte hergestellt haben, anhand derer die Wertschöpfung stattfindet, kriegen davon nichts ab.“

Er drückt sich hier etwas schwammig aus. Im besten Fall will er sagen, das YouTube nicht genug seines Umsatzes an die Kreativen ausschüttet. In der wesentlich schlechteren Interpretation, und die scheint mir wahrscheinlicher, unterstellt er hier den Youtube Nutzern, dass die Inhalte, die Sie selber schaffen und hochladen, nur deswegen „wertvoll“ sind, weil sie das Talent eines anderen ausnutzen. Und nicht nur ein paar, sondern „der wesentliche Teil der Inhalte“ das ist ein Schlag ins Gesicht aller ehrlichen Kreativen auf YouTube. Ohne das irgendwie mit Zahlen zu belegen, unterstellt er, dass der „wesentliche Teil“ der Videos auf YouTube Urheberrechtsverletzungen sind.

Nicht nur das, es zeigt wie wenig der Herr von Kunst versteht. Eines der größten Werke der Literatur, William Shakespeares Romeo und Julia ist die Nacherzählung der mittlerweile über 2000 Jahre alten Überlieferung von Pyramus  und Thisbe. Kunst lebt von der Neuinterpretation alter Stoffe. Jede moderne Vampirgeschichte von Twilight bis Blade geht auf Dracula zurück. Brams Stokers Version geht zurück auf alte Sagen und Legenden aus Irland und Osteuropa. Zu sagen, dass der wesentliche Teil der Werke auf YouTube nicht auf den zurückzuführen sind, der sie geschaffen hat, zeigt seine Einstellung zur Kunst mehr als deutlich. Kunst ist für ihn nur zum Geld machen gedacht.

„Das kann nicht gehen, das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, das ist kulturell nicht nachhaltig, das gefährdet die Vielfalt.“

Das würde ich unterschreiben, wenn er nicht mit dem Satz zuvor klar gemacht hätte, wie sein Verständnis von Kultur ist. Ja, Künstler sollen für ihre Werke bezahlt werden, dass stand nie in Frage. Aber jeden aufstrebenden Künstler auf YouTube erst mal unter Generalverdacht zu stellen ist der falsche Weg.

Geht um Vergütung, geht aber gleichzeitig auch um die Frage des Respekts und der Genehmigung.“

Oh, jetzt geht es doch um Geld UND Respekt. Ich ziehe meine Aussage von weiter oben zurück.

„Und um die Frage des Urheberpersönlichkeitsrechts. Also die Frage, ob wir überhaupt Genehmigung geben zum Beispiel das unsere Musik in politischen Clips oder in irgendwelchen parodistischen Zusammenschnitten auftauchen kann.“

Moment, war das Argument nicht, es braucht keine Filter, sondern lieber Lizenzen, damit man alles machen kann. Jetzt soll der Rechteinhaber aber weiterhin die Möglichkeit haben, wofür das Werk verwendet wird? Wo genau war der Vorteil für die User?

„Und da muss man dazu sagen diese Genehmigung müssten wir im Moment im Einzelfall geben und in Zukunft wäre es so, dass es grundsätzlich erstmal die Möglichkeit gäbe das zu machen.“

Ich könnte mich irren, aber gab es da nicht 2013 diese Kontroverse zwischen den Toten Hosen und der CDU? Weil die CDU das Lied „An Tagen wie diesen“ zwar korrekterweise nicht für Wahlkampfveranstaltungen (wie es von den Toten Hosen verboten war), dafür aber auf der Siegesfeier verwendet wurde (weil es dafür nicht explizit verboten wurde)? Ich bin kein Rechtsexperte, aber wenn das damals so war, wie ich mich erinnere, war es ja gerade das Problem, dass die CDU mit ihrer Lizenz das Lied dafür benutzen konnte, wofür die Toten Hosen es eigentlich nicht genutzt haben wollten.

Untergräbt ein bisschen Ihr Argument Herr Hornschuh.

„Übrigens ist es so, dass über Artikel 13 ganz explizit Parodien und Memes auch eingeschlossen sind. Also das heißt die wären ohnehin rechtlich nicht gefährdet und es steht auch drin, dass sie nicht gefährdet werden dürfen.“

Ich wiederhole mich echt ungern, aber: „Wie soll ein Algorithmus erkennen, was Parodie und was Plagiat, was Meme und was urheberrechtlich geschütztes Foto ist?“

„Und es wird aber in Zukunft ebenso sein, dass es eigentlich nur noch eine Ausnahme gibt, dass wir etwas dagegen tun können als Künstler. Wir nehmen uns gewissermaßen auch ein bisschen ein Eingriffsrecht, in dem wir nur noch sagen können, dass konkret bitte nicht. Alles andere wäre genehmigt.“

Das heißt, die Verwerter haben WIEDER das Recht Lizenzen zu geben oder zu entziehen. Damit ist die ganze vorher postulierte Rechtssicherheit für User wieder zum Teufel. Das beste Argument der Artikel 13 Befürworter, außer der fairen Bezahlung für Urheber, welches ja von den Gegnern geteilt wird, ist komplett nutzlos.

Solange die Rechteinhaber das Recht haben ihre Lizenzen wieder zu entziehen oder zu verweigern wird es zu Uploadfiltern kommen und Rechtssicherheit ist genauso weit weg wie vorher. Chapeau. Das muss man erst mal hinbekommen. Den Leuten das freie Internet wegnehmen und nichts dafür bieten außer Beleidigungen und Unterstellungen.

Einblendung: „Welche Vorteile haben Youtuber?“

„Ein Youtuber würde nämlich z.B. Autor sein, Interpret sein und auch Aufnahmehersteller wahrscheinlich sein, also mindestens 3 vergütungspflichtige Rechte besitzen, Und wahrscheinlich weiß er das gar nicht so im Kern. Und das Anliegen der Reform ist auch einem Youtuber einen Anspruch auf angemessene Vergütung zu geben.“

Hier spricht er von der/m kleinen Kreativen auf Youtube, die/der seiner Ansicht nach auch nur Vorteile von der Reform hat. Erstens, bekommt diese/r bereits nach dem aktuellen System eine Vergütung, durch die Werbeeinnahmen über ihren/seinen Channel. Zweitens, und hier manifestiert sich der Denkfehler [1], den ich weiter oben erwähnt habe. Youtube müsste mit dieser/m Kreativen eine Lizenz vereinbaren. Diese/r wäre aber, im Vergleich zu den anderen Lizenzen mit beispielsweise der GEMA nichts wert. Die/der Kreativen hätte keinerlei Verhandlungsmacht um sich YouTube entgegenzustellen. Was im besten Fall dazu führt, dass sie/er ihre/seine Musik lizenzfrei abgibt für die Möglichkeit Reichweite zu erhalten oder komplett von der Plattform verschwindet, weil ihre/seine Musik gefiltert wird. Und das gleiche müsste jede Plattform mit jeder/m Künstler/in machen. Selbst wenn damit kleine Plattformen aus dem Boden sprießen würden, die die abgegangenen Kreativen aufnehmen würden, ständen die nach 3 Jahren an derselben Stelle. Die Alternative wäre ein Anschluss an eine Verwertungsgesellschaft wie die GEMA, was für kleine Kreative aber mehr Kosten als Nutzen bringen würde. Das Modell würde dazu führen, dass kleine Kreative wieder die Plattform verlieren, die YouTube ihnen geboten hat.

„Und das verstehen die gar nicht, weil sie glauben ihnen würde was weg genommen, es soll ihnen aber nichts weggenommen werden, sondern etwas gegeben werden.“

Ich bin mir ziemlich sicher, die ersten Siedler haben das gleiche über die Ureinwohner Nordamerikas gesagt.

Polemik bei Seite, hier wird der Gegenseite wieder Unwissenheit unterstellt und die Befürworter als die großen Befreier dargestellt. Das zeugt von einer sehr einseitigen Sicht auf die Welt und einem sehr verzerrten Weltbild.

Einblendung: „Die Debatte um Zensur ist …“

„Die Debatte um Zensur ist wirklich bizarr, weil Sie einfach definitorisch überhaupt nichts mit dem Gegenstand überhaupt nichts zu tun hat.“

Richtig. Zensur hat eigentlich mit der Diskussion um Urheberrecht nichts zu tun. Aber wenn das erste für die Durchsetzung des zweiten als praktikable Lösung gesehen wird, dann schon.

„Es ist einfach aufgesetzt und es ist wie man so sagt ein Derailing, also man bringt einen Gegenstand ins Spiel, der den eigentlichen Diskurs zum Entgleisen bringt. Das Ganze hat mit Zensur so gar nichts zu tun.“

Merkwürdig. In einem Interview mit orange.Handelsblatt.com hat Herr Axel Voss, Berichterstatter der EU für die umstrittene Urheberrechtsreform, am 27.02.19 zugegeben: „Ich kann nicht dafür garantieren, dass die Maßnahmen, die Plattformen ergreifen um ihrer Haftung gerecht zu werden, hundertprozentig arbeiten und deshalb die Meinungsfreiheit auch mal eingegrenzt wird.“

[Quelle: https://orange.handelsblatt.com/artikel/56303]

Er kann also Meinungsfreiheit nicht garantieren. Dies allein ist für jeden Demokraten Argument genug, die Richtlinie abzulehnen. Und es widerlegt Herrn Hornschuhs Argument, dass mögliche Zensur nicht Teil der Debatte ist.

„Es ist nicht nur so, dass alles was zensiert werden könnte von Gesetzen geschützt ist und auch zukünftig bleiben wird,“

Tolles Argument. Herrn Hornschuh meint also, dass niemals jemand gegen Gesetze verstoßen würde. Oder das sich Gesetze niemals ändern können. Dazu fällt mir auch nichts ein.

„sondern es ist auch so, dass die angebliche Infrastruktur, die da installiert werden soll, überhaupt nicht in die Inhalte rein geht, sondern nur detektieren wird, ob es eine Lizenz gibt oder nicht.“

Ich zweifle hier ernsthaft an dem Technikverständnis von Herrn Hornschuh. Wie soll denn dieses „detektieren“ ablaufen? Ich habe mal ausgerechnet, wie viel Speicherplatz für einen Uploadfilter für eine Bilderseite benötigt werden würde. Die Details werde ich in einem späteren Post nochmal aufarbeiten. Mir wurde daraufhin vorgeworfen ich hätte keine Ahnung. Dienste wie Shazam, Fingerabdruck ID oder Google Bildersuche funktionieren auch. Daraufhin habe ich einen sehr interessanten Artikel über die Funktionsweise von Shazam gefunden.

[Quelle: https://www.matheretter.de/wiki/shazam]

Wie bei klassische Fingerabdruckerkennung wird auch hier ein Objekt auf seine einzigartigen Merkmale untersucht. Auch wenn sich die Methode unterscheidet, so ist es immer der Vergleich zwischen Vorlage und Datenbank. Die Technik ist ähnlich, wenn nicht sogar gleich, egal ob ich nach der Lizenz eines Liedes oder dem gesprochenen Namen des Vorsitzenden der regierenden Partei suche.

„Also es gibt jetzt tatsächlich Zensurfilter, die dafür sorgen, dass man auf YouTube oder auf Facebook keine nackten Geschlechtsteile sieht.“

Aber die anderen machen das doch auch, ist kein gutes Argument. Besonders nicht, wenn es sich dabei um etwas so fehleranfälliges und umstrittenes wie die Filter von Youtube und Facebook handelt.

„Das geht in die Inhalte rein. Was wir machen wollen hat mit den Inhalten erst mal gar nichts zu tun. Man wird nur detektieren, kennen wir das, kennen wir das nicht.“

Und wieder die Frage, wie soll dieses „detektieren“ funktionieren? Anhand des Namens der hochgeladenen Datei? Anhand der Länge? Des Hashwertes? Des Datums? Helfen Sie mir, ich habe keine Ahnung, was er sich vorstellt. Wie soll man sicher sein ob ein Paket etwas Verbotenes enthält ohne es zu öffnen.

„Und wenn wir es kennen wird noch eine zweite Anfrage gestellt, nämlich ist es lizensiert oder nicht.“

Und hier finden wir den Denkfehler [2]. Oben wird postuliert

„[…] das heißt ganz konkret, dass die Uploader, die privaten Uploader, machen können, was Sie bislang auch gemacht haben, aber dann im Bereich der Rechtssicherheit.“

Diese Rechtssicherheit tritt aber, wenn überhaupt, erst in Kraft, wenn eine Lizenz abgeschlossen wurde und nicht explizit die Verwendung für den entsprechenden Zweck gesperrt wurde. Das heißt aber, wenn ein YouTuber etwas hochläd und nicht weiß, dass die Lizenz nicht vorliegt bzw. verwendet werden darf, dann ist er immer noch haftbar.

Hier wird eher ein Gefühl von falscher Rechtssicherheit als Errungenschaft verkauft, als dass sie wirklich erreicht wird.

3 Kommentare zu „Das Interview mit Matthias Hornschuh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s