Es gibt keine Alternativen

Behauptung: Es gibt keine Alternativen,

Aufgestellt von z.B. Herrn Axel Voss, MdEP in einem Interview mit Orange vom 27.2.19.

Auf die Frage

Aber dann kann ja auch niemand mehr bessere Ideen bringen…

antwortete er

Interessiert wäre ich schon noch, doch in diesem dreijährigen Prozess hat aber auch niemand eine bessere Idee eingebracht. Das ist, was ich kritisiere.

Herr Voss behauptet also, in einem Dreijährigen Prozess der dem Trilog vorausging gab es keine anderen Vorschläge.

[Quelle: https://orange.handelsblatt.com/artikel/56303%5D

Kurze Antwort: Falsch.

Dazu Julia Reda, ebenfalls MdEP, zunächst auf Twitter

und später ebenfalls in Orange, vom 4.3.19.

Frau Reda, was war Ihre erste Reaktion, als Sie unser Interview mit Herrn Voss gelesen haben?
Mich hat geärgert, dass er gesagt hat, es hätte keine besseren Vorschläge gegeben.

Und die gab es?
Ja, natürlich. Zu Hauf. Jetzt, wo es zu spät ist, da sagt Herr Voss, es gab keine besseren Vorschläge. Das fand ich unverschämt.

[Quelle: https://orange.handelsblatt.com/artikel/56548%5D

Jetzt könnte man noch erwähnen, dass es schwierig ist Vorschläge anzunehmen, wenn das ganze hinter verschlossenen Türen stattfindet, deswegen gute Vorschläge, die von außen kommen könnten gar nicht in die Blase eindringen können, aber lassen wir das.

Desweteren gibt es 2 gute Vorschläge auf Youtube, z.b.

hier oder hier.

Doch ich habe mir auch selber Gedanken gemacht und möchte ein Modell skizzieren, dass auf dem Modell der Verwertungsgesellschaften aufbaut.

Mein Vorschlag

Jede Plattform, die es Usern gestattet selber Content hochzuladen  (mit Ausnahmen, wie z.B. Wikipedia) , ist verpflichtet ab einem monatlichen Zugriffen  > X mit Verwertungsgesellschaften Lizenzen zu schließen.

Als Satz wird dazu Y % der Einnahmen aus der Region angesetzt, in der die VGs tätig sind (z.b. Deutschland für die GEMA). Der Satz für Onlinemusik bei der GEMA ist Y = 15%, der Tarif für den Verleih von Hörbüchern bei der VG Wort ist 8% . Wir nehmen mal 15%.

Die berechtigten Verwertungsgesellschaften entscheiden auf Basis einer jährlichen Stichprobe von Z der am häufigsten aufgerufenen Inhalte, wie die Ausschüttung aufgeteilt wird. Für Z nehmen wir 1.000.000.

Die Statistik dazu stellt die Plattform bereit.

Beispiel 1) YouTube macht weltweit 9 Mrd USD, davon in Deutschland , sagen wir mal 1Mrd € Umsatz, dann schüttet Sie 15% davon, also 150 Mio an die Verwertungsgesellschaften aus. Sagen wir, der Einfachheit halber, es gibt nur GEMA, VG Wort und VG Bild-Kunst. In einer Stichprobe aus den beliebtesten 1.000.000 Videos des Jahres, ergibt sich, dass der Großteil Content bieten, für die keine Lizenz notwendig ist.  20% enthalten lizenzierte Musik, 8% Zitate und 2 % Bilder, für die diese Verwertungsgesellschaften die Lizenzierung verwalten, wobei mehrfache Betroffenheit möglich sind. Dann bekommt die GEMA 100 Mio., die VG Wort 40 Mio und die VG Bild-Kunst 10 Mio. Also unabhängig vom tatsächlichen Ausmaß der Urheberrechtsverletzungen.

Beispiel 2) Facebook macht Weltweit weltweit 16 Mrd USD, davon in Deutschland  sagen wir 2 Mrd € Umsatz, dann schüttet Sie 15% davon, also 300 Mio an die Verwertungsgesellschaften aus. Wieder GEMA, VG Wort und VG Bild-Kunst. In einer Stichprobe aus den beliebtesten 1.000.000 Posts, ergibt sich, das 90% keine Lizenz benötigen notwendig ist.  2% enthalten lizenzierte Musik, 4% Zitate und 4 % Bilder, für die diese VGs die Lizenzierung verwalten. Dann bekommt die GEMA 60 Mio., die VG Wort 120 Mio und die VG Bild-Kunst 120 Mio.

Die Plattformen stellen außerdem einen einfachen Mechanismus zur Verfügung, mit dem ein Urheberrechtsverstoß eines nicht  lizenzierten Inhalts (z.B. aktuelle Filme) gemeldet werden kann. Der Inhalt wird dann sofort entfernt und der Melder hat 24h Zeit die Meldung zu begründen. Geht keine Begründung inklusive entsprechender Belege binnen 24 h ein, wird der Inhalt wider freigeschaltet.

Ein Mitarbeiter der Plattform entscheidet, ob die Meldung begründet ist oder nicht. Wenn nicht, geht der Inhalt wieder online.

Gegen die Entscheidung steht beiden Parteien der Rechtsweg offen. Die Plattform ist verpflichtet relevante Informationen über den Nutzer herauszugeben, sollte es zum Prozess kommen.

Die Details bräuchten vielleicht noch etwas Feinarbeit, insbesondere die Werte für X, Y und Z, aber als grobe Orientierung, durchaus machbar.

  • gäbe Sicherheit für die Uploader
  • die Plattformen sehen sich nicht unmöglichen Anforderungen gegenüber,
  • der Aufwand skaliert mit der Plattform,
  • es gibt immer noch das notice-und-take-down-Verfahren, aber mit einer besseren Schnittstelle.
  • Missbräuchliche Nutzung kann schneller identifiziert werden, sowohl auf Uploader- als auch auf Melder-Seite.
  • die Verwertungsgesellschaften bekommen ein Stück vom Kuchen
  • der Gewinn der Verwertungsgesellschaften wächst mit der Plattform

Ich bin kein Jurist, aber für mich klingt diese Variante machbar fair.

 

 

 

 

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