Es ist alles Panikmache

 

Die Gegner der Urheberrechtsreform betreiben Panikmache.

Zum Beispiel behauptet von Paul Ziemiak, seines Zeichens Generalsekretär der CDU im Bundestag.

Das Thema wird aber auch von anderen aufgenommen, zum Beispiel von Stefan Herwig in einem Artikel, in der FAZ vom 2.3.19, der in meinen Augen mehr als tendenziös zu nennen ist.

https://edition.faz.net/faz-edition/medien/2019-03-02/887ded7c414acd4a30a74fbd4192d823/?GEPC=s3

Aber Ehre wem Ehre gebührt. In diesem Fall den Illustratoren Carsten Dörr, der sich entschieden hat aus A. Paul Webers „Das Gerücht“ für den Header des Artikels eine aktualisierte Variante zu machen. Ob er damit Urheberrechte von Weber verletzt hat, müssen Gerichte klären.

Das ist aber gar nicht das Thema. Auch nicht, dass Herr Herwig als „Consulter für Internetstrategien“ und, wie ich auf Twitter gelesen habe, guter Bekannter der Artikel 13 Unterstützerin Helga Trüpel ist. Auch nicht, dass er diesen Artikel wahrscheinlich nicht umsonst geschrieben hat. Und auch nicht, dass die FAZ in den letzten Wochen 4 Artikel, diesen mit eingerechnet, veröffentlicht hat, die nur so vor Falschinformationen und üblen Gerüchten trotzen.

Nein, das alles soll nicht das Thema sein. Deswegen werde ich es auch nicht ansprechen.

Nein, die Frage ist, was wäre, wenn wir, die Kritiker der Reform, falsch liegen würden?

Eines der Basisprinzipien, nach denen ich lebe, ist, mich immer zuerst fragen „könnte ich falsch liegen?“

Das mag auf den ersten Blick nach mangelndem Selbstvertrauen klingen, tatsächlich zwingt es mich aber dazu, meinen Standpunkt immer wieder zu überdenken. Und wenn mein Standpunkt auf einer stabilen Basis aufgebaut wird, dann wird er mit jedem Mal, dass ich mich frage, fester.

Gleichzeitig habe ich aber auch die Möglichkeit, meinen Standpunkt zu ändern, wenn ich merke, meine Basis fängt an zu wackeln.

In einem anderen Post habe ich schon erwähnt, dass ich erst der Ansicht war, YouTube würde versuchen die User zu beeinflussen, um sich vor der Verantwortung für das Urheberrecht zu schützen.  Ich war also eher pro Artikel 13. Aber als ich mich damit beschäftigt habe, und mich fragte, „könnte ich falsch liegen?“, da habe ich erkannt, dass meine natürliche Abneigung gegen Großkonzerne mich hat voreingenommen eine Meinung bilden lassen.

Machen wir also diesen Schritt noch einmal, aber diesmal den großen Schritt.

Nicht, „könnte ich falsch liegen?“, sondern, was wäre, wenn ich falsch liege.

Ein User auf Twitter hatte geschrieben, er habe sich Gedanken gemacht und bewerte die Risiken anders. Auch die bereits mehrfach erwähnte Helga Trüpel postulierte mehrfach, dass YouTube und Facebook nicht zu viel filtern würden, weil sie dadurch weniger Umsatz machen würden. Auch insistierte sie, dass YouTube und Facebook niemals vom europäischen Markt verschwinden würden, weil sie hier zu viel Umsatz generieren.

Ihr bestes Argument, gegen alle Befürchtungen der Gegner lässt sich also zusammenfassen als „gierige Kapitalisten“.

Ok, let’s do this.

Ich hatte die Pascalsche Wette ja schon in einem anderen Post erwähnt. Welche Positionen gibt es hier? Die der Befürworter und die der Gegner.

Die Befürworter argumentieren:

  • YouTube wird Lizenzen schließen um nicht filtern zu müssen
  • YouTube wird nicht zu viel filtern wegen Verlust von Werbeeinnahmen
  • Kleine Plattformen sind wegen des Skalierungsgebotes weniger betroffen
  • Foren sind gar nicht betroffen

Die Gegner argumentieren

  • Es wird kleine Plattformen härter treffen als große
  • Es wird ein Filtermechanismus etabliert, der für Zensur missbraucht werden kann
  • Es wird massiv kleinere Künstler betreffen, die nicht durch die großen Verwertungsgesellschaften vertreten werden.

 

Szanario 1: Die Befürworter hatten Recht, die Gegner haben sich geirrt und die Urheberrechtsreform tritt in Kraft.

Ab 2021 wird eine Regelung basierend auf der Richtlinie in Kraft gesetzt. Die Verwaltungsgesellschaften bekommen einen fairen Anteil an den Gewinnen von Google und Facebook den Sie ebenso fair an die Urheber ausschütten. Uploadfilter sind nicht nötig, weil die Rechteverwerter für jede Plattform ein passendes, bezahlbares Lizenzmodell haben und entsprechende Lizenzen bestehen.

Szenario 2a: Die Befürworter hatten recht, aber es wurde eine neue Richtlinie erarbeitet.

Trotz der späteren Verabschiedung der Richtlinie kann ab 2021 eine Regelung basierend auf der überarbeiteten Richtlinie in Kraft gesetzt werden. Die neue Regelung enthält ein faires Vergütungsmodell für Urheber, Uploadfilter sind nicht notwendig und auch nicht gefordert.

Szenario 2b: Wie 2a, aber dass die Gegner Recht hatten.

Szanario 3: Die Kritiker hatten recht, die Befürworter haben sich geirrt und die Richtlinie tritt in Kraft.

2021 wird eine Regelung basierend auf der Richtlinie in Kraft gesetzt. Die Urheberrechtsreform tritt in Kraft. Facebook und YouTube bieten für kleinere Plattformen Uploadfilter an und steigern damit ihren Umsatz erheblich. Plattformen die nicht genug Gewinn abwerfen um die Filter zu bezahlen machen zu. Wegen der fehlenden Reichweite ziehen sich viele Künstler zurück. Ausländische Investoren sehen in Europa weniger Wachstum und entschließen sich, anderorts zu investieren. Im Hintergrund wird ein Uploadfilter weiterentwickelt um Falschnachrichten am Upload zu hindern. Sämtliche Berichte über die Einführung einer Pressezensur werden als Urheberrechtsverletzung aussortiert, weil es zu sehr an 1984 erinnert.

Ich gebe zu, Szenario 3 ist etwas sehr düster gehalten, aber keineswegs unrealistisch. All das kann wirklich passieren. Und wird so von IT-Experten prognostiziert.

 

Kommn wir zurück zur Pascalschen Wette.

Wir haben 4 Szenarien, wobei 2 den gleichen Ausgang haben. Die anderen beiden hingegen, haben diametral unterschiedliche Ergebnisse.

Statt auf der jetzigen Form der Richtlinie zu bestehen, könnte man sich nochmal zusammensetzen und eine Form entwickeln, die für alle Seiten von Vorteil ist. Wir sind ja grundsätzlich auf derselben Seite, wenn es um die Frage geht, ob Urheber besser gestellt werden sollen. Aber wenn die Richtlinie in ihrer jetzigen Form verabschiedet wird, gibt es nur zwei mögliche Ausgänge: Die Befürworter haben Recht oder die Gegner.

Nehmen wir an, ja, wir Gegner sind aufgeheizt, haben falsche Informationen oder Vorstellungen. Sind beeinflusst worden von Youtube und Facebook, was wäre schlimm daran, einfach noch mal durchzuatmen und uns zusammen zu setzen?

Warum muss diese Richtlinie jetzt unbedingt auf Biegen und brechen durchgesetzt werden?

Dass die Richtlinie nochmal überarbeitet wird, ist das schlimmste was passieren kann, wenn wir Gegner uns irren.

Aber was, wenn nicht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s