Es wird keine Uploadfilter geben

Fangen wir gleich mit dem beliebtesten Argument an.

Behauptung (paraphrasiert): Es wird keine Uploadfilter geben!

Alternative Formulierungen:

Das Gesetz verlangt keine Uploadfilter

Uploadfilter sind nicht vorgeschrieben

Benutzt von Axel Voss im Gespräch mit Herrn Newstime am 14.2.2019

 

Antwort:

Schauen wir in den Text, wie er zur Zeit (24.02.19) bei Anwalt Christian Solmecke eingesehen werden kann.

https://www.dropbox.com/s/569ecj9v5q9adaq/Tabelle_Englisch_Deutsch.docx?dl=0

Dort steht:

Bei Artikel 13

4.) If no authorisation is granted, online content sharing service providers shall be liable for unauthorised acts of communication to the public of copyright protected works and other subject matter, unless the service providers demonstrate that they have:

(a) made best efforts to obtain an authorisation, and

(b) made, in accordance with high industry standards of professional diligence, best efforts to ensure the unavailability of specific works and other subject matter for which the rightholders have provided the service providers with the relevant and necessary information, and in any event

(c) acted expeditiously, upon receiving a sufficiently substantiated notice by the rightholders, to remove from their websites or to disable access to the notified works and subject matters, and made best efforts to prevent their future uploads in accordance with paragraph (b).

Oder auf Deutsch

4.) Wird keine Genehmigung erteilt, haften die Anbieter von Online-Content-Sharing-Diensten. Für unbefugte öffentliche Wiedergabe von urheberrechtlich geschützten Werken und andere Gegenstände, es sei denn, die Dienstleister weisen nach, dass sie dies getan haben:

a) alle Anstrengungen unternommen hat, um eine Genehmigung zu erhalten, und

b) in Übereinstimmung mit den hohen Industriestandards der beruflichen Sorgfaltspflicht hergestellt werden, alle Anstrengungen unternehmen, um die Nichtverfügbarkeit bestimmter Werke und anderer Gegenstände für folgende Zwecke zu gewährleisten die die Rechtsinhaber den Dienstleistern mit den relevanten und relevanten Informationen zur Verfügung gestellt haben. Notwendige Informationen, und auf jeden Fall

c) unverzüglich nach Erhalt einer ausreichend begründeten Mitteilung durch die Kommission gehandelt hat. Rechtsinhaber, von ihren Websites zu entfernen oder den Zugang zu den gemeldeten Werken zu sperren und Themen und unternahmen alle erdenklichen Anstrengungen, um zu verhindern, dass sie in Zukunft hochgeladen werden gemäß Absatz (b).

Es wird also gesagt: Unternehmen sollen in Übereinstimmung mit den „hohen Industriestandarts“ „verhindern, dass [urheberrechtlich geschützten Werken] in Zukunft hochgeladen werden“.

Im Duden steht als Erklärung zum Wort „filtern“ die Bedeutung „bestimmte unerwünschte […][A]nteile zurückhalten.

Wenn das Gesetz also vorsieht, Teile des Contents vom Hochladen (engl: upload) zurückzuhalten, dann ist das, in einem Wort, ein Uploadfilter.

Zu sagen, dass das Gesetz keine Uploadfilter erfordert ist wie zu sagen:

Das Gesetz fordert keine Sicherheitsgurte, aber wenn ein Autofahrer keine Personenrückhaltevorrichtung anlegt, zahlt der Autohersteller ein Bußgeld.

Die Behauptung, das Gesetz sehe keine Uploadfilter vor ist damit widerlegt.

Und die Frage ob es Uploadfilter geben wird, lässt sich daraus mathematisch herleiten.

Jede Minute werden 300h an Videomaterial auf Youtube hochgeladen. 300h sind 18.000 min. D.h. würde man keine Filter verwenden, müsste man mindestens 18.000 Mitarbeiter für jede Minute des Tages einstellen, die das Material sichten sollen. Also fallen jedes Jahr 18.000 x 365 x 24= 157.680.000 Arbeitsstunden an. Wird jede dieser Arbeitsstunden mit nur 1€ vergütet, sind die Arbeitskosten pro Jahr höher, als die Entwicklung des bisher eingesetzten Contend ID Systems (100 Mio. USD). Ein Uploadfilter ist daher die einzige wirtschaftliche Möglichkeit, außer sich komplett aus dem Markt zurückzuziehen.

Die Behauptung „Es wird keine Uploadfilter geben“ ist daher widerlegt.

Kleine Anekdote am Rande: Während sich Axel Voss noch mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass Uploadfilter überhaupt ein Thema sind,  spricht die GEMA offen darüber, wie diese Filterung doch mit KI heutzutage ganz einfach ist und verlinkt einen Artikel, der im dritten Absatz bestätigt:

„Es stimmt aber auch, dass gerade den größten Plattformen kaum anderes übrig bleiben wird, als die von Kritikern so gescholtenen „Uploadfilter“ zu verwenden.“ [Quelle:https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-fischen-im-netz-1.4330120%5D

Gema Tweet

Quelle: https://twitter.com/gema_news/status/1098263167636041729

Im Krimi nennt man so was sich widersprechende Aussagen unter Komplizen. Just saying.

 

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